American Gangster
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Inhalt:
Als sein Boss und Mentor stirbt, weiß Frank Lucas (Denzel Washington) ganz genau, dass seine Stunde jetzt gekommen ist. Jahrelang hat er gelernt was man über die Straßen von Harlem wissen muss, nun ist er bereit, sie zu übernehmen. Mit Hilfe einer waghalsigen Idee gelingt es ihm auf einen Schlag, die komplette Drogenszene New Yorks zu kontrollieren: Er fliegt nach Südostasien, um sich dort reines Heroin zu besorgen und schmuggelt dieses dann in riesigen Mengen mit Hilfe von Flugzeugen, der in Vietnam stationierten US-Armee, in die Staaten. Die Droge, die auf den Namen Blue Magic hört, schlägt eine wie eine Bombe und macht Lucas zu einem der wohlhabendsten und einflussreichsten Männer an der Ostküste. Um sicherzugehen, dass er seinen Mitarbeitern auch trauen kann, holt er kurzerhand seine gesamte Familie zu sich und lässt seine Brüder und Cousins für sich arbeiten. Doch auch die Polizei ist sich des Problems des wachsenden Drogengeschäfts bewusst und versucht mit aller Härte dagegen vorzugehen. Richie Roberts (Russel Crowe) ein ehrlicher, aufrechter, junger Cop wurde eigens damit betraut, eine Einheit zu gründen, die dem Organisierten Verbrechen das Handwerk legen soll. Noch weiß er nicht, dass Frank Lucas der Mann an der Spitze ist hinter dem er her ist, doch ihre Wege werden sich schon bald kreuzen.
Kritik:
Der amerikanische Traum, „from rags to riches“ frei übersetzt „Vom Tellerwäscher zum Millionär“, beschreibt das Prinzip, dass man es durch harte, ehrliche Arbeit auch mit eher bescheidenen Mitteln von den unteren sozialen Schichten in die Oberliga, schaffen kann. Das Ganze wird insoweit schnell ungleich verlockender, indem man einfach die harte und vor allem ehrliche Arbeit umgeht und sofort mächtig absahnt. Kein Wunder also, dass auch Verbrecher diesen Traum, wenn auch auf illegale Art, zu leben versuchen. Als reelles Beispiel lässt sich hier Al Capone anführen, der es als Sohn italienischer Einwanderer bis zum Boss von Chicagos Unterwelt brachte. Auch die Filmindustrie setzt sich immer wieder mit diesem Thema auseinander, klassisches Beispiel hierfür ist sicherlich Brian De Palmas Meisterwerk „Scarface“, das den Aufstieg eines kubanischen Einwanderers zum Drogenbaron Floridas schildert. Nun nimmt sich auch Regisseur Ridley Scott dieser Thematik an, indem er mit „American Gangster“ das Leben des Frank Lucas auf Zelluloid bannt. Doch dieser Frank Lucas ist ein völlig anderer Typ Mensch als die eben erwähnten, er ist kein Capone, er steht nicht im Licht der Öffentlichkeit und er ist vor allem kein Tony Montana, kein exzessiver Draufgänger. Würde man ihm auf der Straße begegnen, man würde nicht registrieren, dass dies ein Mann ist, der nach eigenen Aussagen eine Million Dollar am Tag allein durch den Verkauf von Drogen verdient hat. Und genau da liegt der Reiz in diesem Charakter, dieses gutbürgerliche, unscheinbare, elegante, ja fast schon spießige Auftreten auf der einen und das skrupellose und knallharte Handeln auf der anderen Seite machen ihn zu mehr als einen einfachen Drogendealer. Auch die Fürsorge für die eigene Familie erinnert eher an stilvolle Mafiosi à la „Der Pate“ als an ehrlose Straßengauner. Die Faszination dieser Figur rührt aber keinesfalls vom echten Frank Lucas, sondern einzig von Denzel Washingtons begeisternder Performance. Washington mimt den Gangster so überzeugend, so mitreißend, schlicht so grandios, dass man fast so etwas wie Sympathien für ihn entwickelt. Und ähnlich wie Jack Nicholson mit seiner Leistung in „Departed – Unter Feinden“ hat sich auch Denzel Washington mit dieser Darbietung das Recht verdient, als legitimer Nachfolger Marlon Brandos in seiner Rolle als Mafia-Pate gehandelt zu werden. Wenngleich Brando selbstverständlich unerreicht bleibt. Dass eine derart realitätsnahe Darbietung, die anderen, topbesetzen, Schauspieler liefern eine ähnlich ansprechende Leistung, die Atmosphäre eines Films noch steigert ist klar, doch das hätte dieser hier eigentlich gar nicht nötig. Denn „American Gangster“ ist handwerklich derart perfekt inszeniert, dass man beinahe meint man begutachtet alte Archivaufnahmen, so akkurat wurde das New York der späten 60er und frühen 70er Jahre umgesetzt. Jede Häuserfront, jeder Straßenzug, jedes Auto wurde so detailliert nachempfunden, dass man nostalgisch werden könnte. Dazu noch der hervorragende Soundtrack mit alten Johnny Cash Liedern oder Bobby Womacks „Across 110th Street“, das man bereits aus Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ kennt, und der Gesamteindruck ist perfekt. Diese enorme Intensität hilft wiederum der ohnehin schon brillant erzählten Geschichte. Die Fabel vom schnellen Aufstieg ist zwar, wie bereits bekannt, nicht neu, wurde aber selten so packend und ansprechend geschildert wie hier. Doch der amerikanische Traum hat oft auch eine Kehrseite und vor allem für Verbrecher folgt in der Regel auf den rasten Aufstieg der knallharte Absturz. Al Capone beispielsweise musste schließlich wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis und Tony Montana ging an seiner eigenen Gier zu Grunde. Selten jedoch wurde dieser Abgang so unglaublich würdevoll und beinahe anmutig inszeniert wie hier. Frank Lucas unterscheidet sich eben von anderen Gangstern.
Punkte: 10 von 10 mögl. Punkten
Autor: Fabian Ohrner