Die Liebe in Mir
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Inhalt:
Alan Johnson (Don Cheadle) ist Zahnarzt und sein Leben verläuft bis auf einige Ausnahmen - eine Patientin (Saffron Burrows) verklagt ihn aus Liebeskummer zu unrecht wegen sexueller Belästigung - in geregelten Bahnen. Die Abende verbringt er mit seiner Familie und damit, zusammen mit seiner Frau (Jada Pinkett Smith) Puzzles zu lösen. Eines Tages trifft er zufällig seinen alten Studienfreund Charlie Fineman (Adam Sandler) auf der Straße. Dieser hat seine Frau und seine drei Töchter bei den Anschlägen am 11. September 2001 verloren und lebt seitdem zurückgezogen und völlig allein. Seine Freizeit verbringt Charlie mit Videospielen und damit, alle paar Tage seine Küche zu renovieren. Nach anfänglichen Annäherungsschwierigkeiten schafft es Alan jedoch zu Charlie durchzudringen und die beiden beginnen wieder Dinge miteinander zu unternehmen. Charlie erkennt, dass er Alan als Einzigem vertrauen kann und beansprucht immer öfter dessen Zeit, indem er ihn beispielsweise spät Nachts von zu Hause abholt um auszugehen. Doch Charlie hat auch des öfteren Aussetzer in Form von enormen Stimmungsschwankungen und demoliert mitunter ganze Einrichtungen. Alan erkennt, dass Charlie dringend Hilfe benötigt ehe es zu spät ist. Doch wie soll man jemanden helfen der sich niemandem öffnet?
Kritik:
Am 11. September 2001 geschah etwas, das die Welt niemals vergessen wird. Etwas von so enormer Tragweite, dass man diesen Tag für alle Zeit mit diesem Ereignis verbinden wird, so schockiert war und ist die Menschheit über diese unglaublich grausame und menschenverachtende Tat. Dass man das Geschehene nicht vergessen kann und darf ist sonnenklar, aber wie soll man am besten damit umgehen? Wie kann man etwas derartiges verkraften und verarbeiten? Die Filmindustrie versucht bereits seit geraumer Zeit sich mit diesem Gedanken auseinander zu setzen und sogar Hollywood hat dieses Thema für sich entdeckt, Oliver Stone beispielsweise verarbeitete seine Eindrücke mit „World Trade Center“. Nun kommt ein weiterer Film mit diesem Hintergrund in die Kinos. „Die Liebe in Mir“ geht aber einen anderen Weg als den, der sich auf das eigentliche Ereignis konzentriert. Denn in diesem Film geht es um die Folgen, um das Danach. Anhand einer fiktiven Geschichte versucht man mit dem Thema umzugehen. Anders als in Stones kitschig aufdringlichem Werk will man hier aber keineswegs das Publikum zu irgendwelchen Emotionen zu zwingen, als Zuschauer hat man nie das Gefühl, dass man unbedingt Anteilnahme für die Protagonisten empfinden muss. Es gibt nahezu keinen erkennbaren Bezug zum Attentat, nur einmal, und das auch nur nebensächlich, werden Bilder von den verstorbenen Angehörigen gezeigt. Dennoch, oder gerade weil hier nichts erzwungen wird, ist der Film unglaublich bewegend und ergreifend. Es ist die Einsamkeit der Hauptfigur die der Zuschauer förmlich spüren kann. Wenn Charlie mit seinem motorisierten Roller durch die Straßenschluchten von New York fährt und die ganze Stadt dabei so kalt und unfreundlich wirkt, springt seine Melancholie fast auf einen über. Und es ist auch dieser, von Adam Sandler verkörperte, Charlie, der die meisten Gefühlsregungen beim Zuschauer hervorruft. Hier ist es nicht der Adam Sandler , der sich einen Namen mit allerlei Klamaukund Comedy-Filmen gemacht hat, sondern es ist ein ernster Adam Sandler mit langen, wirren Haaren, der verschlossen vor der Außenwelt niemanden hat, außer einem Freund. Seine Leistung ist es, die alles so authentisch wirken lässt. Dabei hilft aber auch der wunderbar zusammengestellte Soundtrack. Jedes Mal, wenn Charlie seine Kopfhörer aufsetzt um in seine eigene Welt abzudriften, ertönen diese Musikstücke auch für das Publikum. Und wenn man dann alte Bruce Springsteen Lieder, oder auch den titelgebenden Song „Love, Reign o‘er Me“ von The Who hört, ist man völlig hineingezogen in Charlies Welt, die so leer und traurig zu sein scheint. „Die Liebe in Mir“ ist aber dennoch keinesfalls darauf bedacht, den Zuschauer depressiv zu stimmen, im Gegenteil. Der Film hat unzählige heitere und lustige Momente, allein die Arzthelferin sorgt durch ihren Sarkasmus und ihre Art für gute Laune. Aber auch wenn Charlie einfach nur etwas mit Alan unternimmt spürt man diese Wärme, ausgehend von ihrer Freundschaft. Denn es ist Alan der die Freude zurück in Charlies Leben bringt, so wie Don Cheadle mit seiner hervorragenden Performance und seinem Schauspiel die Heiterkeit in den Film bringt. Zusammen erlebt man mit den beiden wundervolle Momente, herrlich die Szene, in der sie zur Musik von Bruce Springsteen miteinander jammen. Es ist also eine Freundschaft die hier im Vordergrund steht, die auch, oder gerade, unter schwierigen äußeren Voraussetzungen bestehen kann. Das kann man nun als Botschaft deuten oder auch nicht, sicher ist jedenfalls, dass auch aus den schlimmsten Ereignissen immer auch etwas neues entsteht und dieser Gedanke ist doch wunderbar.
Punkte: 9 von 10 mögl. Punkten
Autor: Fabian Ohrner