Schräger als Fiktion
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Inhalt:
Harold Crick (Will Ferrell) führt ein langweiliges und exakt geplantes Leben ohne Überraschungen. Er arbeitet als Steuereintreiber, hat keine Freunde und sein einziger Lebensinhalt besteht darin, die Bewegungen seiner Zahnbürste und die Schritte auf dem Weg in die Arbeit zu zählen. Eines Tages hört er eine weibliche Stimme in seinem Kopf. Sie beschreibt exakt seinen Tagesablauf und weiß sogar was Harold fühlt. Was er aber nicht weiß ist, dass die Stimme der Schriftstellerin Karen Eiffel (Emma Thompson) gehört. Diese schreibt gerade seit zwei Jahren an ihrem neuen Buch und ohne es zu wissen, dreht es sich haargenau um das Leben von Harold Crick. Das einzige was ihr noch fehlt ist der Schluss: der perfekte Tod für Harold Crick. Als dieser davon erfährt versucht er alles um die Autorin zu finden und somit seinen eigenen Tod zu verhindern. Dummerweise lebt diese seit Jahren zurückgezogen und niemand weiß wo.
Kritik:
Viele Filme machen es sich an einem Punkt schon sehr einfach: bei der Geschichte. Sie greifen einfach auf wahre Hintergründe zurück oder verfilmen literarische Werke und schon fällt dieser Teil der Arbeit weg. Natürlich heißt es auch eine wahre Ereignisse adäquat und ansprechend umzusetzen und längst nicht jeder Film dieser Machart ist gleich ein Meisterwerk. Aber es ist ungleich schwieriger sich eine Fiktion auszudenken und diese dann stimmig und glaubhaft zu vermitteln. Und wenn diese Handlung dann auch noch schräger als eine Fiktion sein soll, meint man dass das sowieso nichts werden kann. Meint man... Doch es ist genau die Story, die „Schräger als Fiktion“ so einzigartig und unvergesslich macht, eine derartige Handlung gab es zuvor noch in keinem anderen Film. Zugegeben ein bisschen seltsam ist sie schon und auch keineswegs realistisch, doch davor warnt ja der Titel. Der Film strotzt einfach nur so vor originellen Ideen und Einfällen und ist daher wunderbar komisch aber gleichzeitig zeugt er auch von großen Emotionen. Und er ist vor allem eines: großartig erzählt. Diese Art und Weise wie die Geschichte vermittelt wird und somit den Film voran treibt ist einfach nur herrlich und macht einen großen Teil der lustigen Momente aus. Da wäre einerseits natürlich die Erzählerin, die alle Ereignisse der Hauptfigur in ihrer wunderbar zynischen und detaillierten Art kommentiert und den Film wie ein gutes Buch erscheinen lässt. Aber andererseits sind es vor allem die Dialoge, die den Zuschauer am meisten unterhalten. Sie sind mit diesem augenzwinkernden und zugleich äußerst trockenem Humor unterlegt und kreisen teilweise um derart herrliche Absurditäten, dass sogar „Pulp Fiction“, die Mutter aller „Dialog“-Filme erzittern muss. In einer Szene kommt das wunderbar zum Vorschein, wenn Harold diese völlig sinnlosen Fragen beantworten muss, nur damit Professor Hilbert durch Ausschlussverfahren feststellen kann, in welcher Art Geschichte sich Harold befindet. Und auch die oben erwähnten Absurditäten bringen einen immer wieder zum Lachen. Sie werden so detailliert und teils mit einer derart einschläfernden Monotonie gezeigt, dass man gar nicht anders kann als zu schmunzeln. Noch nie war es derart amüsant einem Mann beim Zähne putzen zuzusehen während dieser in aller Ruhe Bewegungen seiner Zahnbürste zählt. Diese witzige Atomsphäre erlaubt es den Schauspielern natürlich sich zu entfalten und das machen sie auch alle. Vor allem der sonst so quietschfidele Will Ferrell zeigt hier, dass er nicht nur lustig, sondern auch durchaus melancholisch wirken kann, man hegt richtig Mitleid mit seinem Charakter. Aber auch Dustin Hoffman spielt hier wieder ein Mal fantastisch und die Rolle des leicht verwirrten Professors scheint ihm wie auf den Leib geschneidert. Man sieht, dass es durchaus von Vorteil ist, wenn man eine originelle Geschichte parat hat, auch wenn „Schräger als Fiktion“ darüber hinaus noch einiges mehr zu bieten hat.
Punkte: 9 von 10 mögl. Punkten
Autor: Fabian Ohrner