Shooting Dogs
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Inhalt:
Für den 25-jährigen Europäer Joe Connor (Hugh Dancy) ist es fast wie das Paradies auf Erden. Er ist im April 1994 im wunderschönen Ruanda und soll dabei helfen, das Land weiter zu entwickeln. Als Lehrer in einer Grundschule fühlt er sich dabei richtig wohl und genießt jeden Tag. Seinen Mentor findet er in dem gediegenen Missionarspriester und Leiter der Schule Christopher (John Hurt), der ihm wie ein Vater immer mit Rat und Tat zu Seite steht. Christopher ist nicht mehr so vom Eifer gepackt wie der junge Joe, denn er ist bereits seit einem Vierteljahrhundert in Ruanda und hat sich mittlerweile schon ganz gut angepasst. Auch Capitaine Charles Delon (Dominique Horwitz) ist mit seiner Truppe belgischer UN-Soldaten vor Ort um für Ruhe zu sorgen. Doch eines Nachts fallen plötzlich Schüsse und tausende Menschen stehen vor den Toren der Schule. Sie bitten um Einlass, denn sie gehören den Tutsi an, einer der beiden Bevölkerungsgruppen in Ruanda und diese sind nun in Lebensgefahr. Denn die verfeindeten Hutu haben das Land übernommen und sind bereit jeden einzelnen Tutsi umzubringen. Noch sind die Tutsi innerhalb der Schule sicher, doch die UN-Soldaten bekommen den Befehl abzurücken und die Afrikaner zurückzulassen. Doch das würde den sicheren Tod für die Tutsi bedeuten und so versucht Joe alles, um die drohende Katastrophe zu verhindern.
Kritik:
Es kann nur einen geben!“, dieser Ausspruch von Christopher Lambert aus dem ersten Teil der „Highlander“-Reihe ist wohl eines der berühmtesten Zitate der Filmgeschichte. Und in vielen Bereichen des Lebens, wie etwa dem Sport, trifft dieses Motto auch durchaus zu, immer schon messen sich die Menschen um den Einen, den Besten zu suchen. Doch kann es nicht auch sein, dass es mitunter mehr als nur einen Daseinsberechtigten gibt? Beim Film geht das durchaus, zu unzähligen Themen gibt es gleich mehrere ansehnliche Vertreter. Wie wäre es zum Beispiel mit „Full Metal Jacket“, „Platoon“ und „Apocalypse Now“, allesamt thematisieren sie, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, den Vietnamkrieg. Über den grausamen Genozid von 1994 in Ruanda gab es bisher mit „Hotel Ruanda“ nur einen hervorragenden Film. Doch auch das ändert sich nun mit „Shooting Dogs“, denn Regisseur Michael Canton-Jones beweist damit, dass er nicht nur oberflächliches, plumpes Kino á la „Basic Insinct 2“ fabrizieren kann, sondern auch in der Lage ist, höchst emotionale und tiefgründige Filme anzufertigen. Denn „Shooting Dogs“ geht, ob seiner harten und markerschütternden Bildern derart tief unter die Haut, dass man noch lange nach Verlassen des Kinosaals darüber nachdenken muss. Diese unfassbar grauenhafte Geschichte über Wut, sinnlose Zerstörung und Verachtung menschlichen Lebens berührt so unglaublich, dass es für den Film nicht einmal mehr notwendig ist, künstlich Emotionen zu erzeugen. Dafür hilft es schlicht, dass man sich auf die Geschehnisse innerhalb der Schule konzentriert und dem Zuschauer das ganze Ausmaß der Katastrophe nur selten vor Augen führt. Vielmehr erlebt er so zahlreiche Einzelschicksale und diese sind um so ergreifender, vermittelt auch durch die talentierten Schauspieler, allen voran ein unglaublich agierender John Hurt. Diese Erzählweise und die daraus resultierende Ehrlichkeit im Umgang mit der Thematik machen „Shooting Dogs“ auch zu etwas Besonderem. Es gibt nur wenige Filme, die derart sachlich bleiben und doch so bewegend sind. Denn auch die bedrohliche, ja fast schon bedrückende Grundstimmung, die dem ganzen Film unterliegt, packt einen ungemein, denn man weiß was letztlich passieren wird, will es aber bis zum Schluss einfach nicht wahr haben. Und dass schließlich alles so gekommen ist, ist auch zu gewissen Teilen auf die katastrophalen Entscheidungen der UN zurückzuführen. Denn im Bewusstsein der Gefahr, einfach die Truppen zurückzuziehen und tausende hilflose Menschen schlicht ihrem Schicksal zu überlassen grenzt schon fast an Beihilfe zu diesem Völkermord. Darüber ist sich auch Regisseur Canton-Jones bewusst und er hebt diese Tatsache hervor. Doch dies macht er in erster Linie nicht nur um anzuprangern, sondern um vor Vergessen oder gar Wiederholungen zu warnen. Es ist also durchaus von Interesse, dass es manchmal mehr als nur den Einen gibt. Denn sollten diese Filme, durch ständiges ins Gedächtnis rufen, dazu beitragen, dass sich derartige Ereignisse nicht noch einmal wiederholen, haben sie mehr als nur eine simple Daseinsberechtigung.
Punkte: 9 von 10 mögl. Punkten
Autor: Fabian Ohrner